Mit moderner Technik, Fütterung und Obacht werden heiße Tage überstanden

L P D – Duschen für die Kühe, Verneblungsanlagen für die Hähnchen und kühle Luft für die Schweine im Stall. Niedersachsens Milch- und Federvieh- sowie Schweinehalter versuchen mit verschiedensten Methoden ihren Tieren so viel wie möglich Abkühlung zu verschaffen, damit die Tiere die heißen Tage gut überstehen. „Es wundert einen manchmal, wenn gerade bei uns in den Urlaubsregionen Ostfrieslands die Urlauber bei über 30 Grad Kühe auf der Weide sehen wollen – und selbst schnellstmöglich kühlen Schatten suchen. Da unterscheidet sich der Mensch nicht groß vom Tier“, erklärt Landvolk-Vizepräsident und Milchviehhalter im ostfriesischen Bensersiel, Manfred Tannen, schmunzelnd gegenüber dem Landvolk-Pressedienst.

„Kühe mit Weidegang können oftmals frei wählen, wo sie bei hohen Temperaturen sein wollen. Die meisten suchen sich in der Mittagszeit lieber ein schattiges Plätzchen im Stall und gehen stattdessen früh morgens raus auf die Weide“, beobachtet Tannen das Verhalten seiner 200 Kühe bei starker Hitze. Die Wohlfühltemperatur der Kühe liege bei ca. zehn Grad, sodass es nicht verwunderlich sei, dass im Nordwesten Deutschlands vermehrt Milchviehbetriebe zu finden sind. „Hier herrscht das Atlantikklima mit kühlen Sommern und milden Wintern. Dieser Standortvorteil lässt sich in der Statistik zur Entwicklung der Anzahl von gehaltenen Milchkühen erkennen“, zeigt Tannen auf. Vor dem Melken im Stall sorgen die Milchbauern beispielsweise mit Vernebelungsanlagen im Wartehof des Melkstands für ein kühleres Klima. Ventilatoren in den Ställen selbst sorgen für Luftbewegung. „Auch wird ein Augenmerk auf ausreichende Tränkeplätze gelegt, damit die Kühe jederzeit Zugang zu frischem Wasser haben. Der Bedarf mit bis zu 200 Litern pro Kuh am Tag ist enorm“, sagt Tannen.

Auch die 35.000 Hähnchen im Stall von Vize-Präsident Ulrich Löhr werden an heißen Tagen mit Sprühnebel gekühlt. „Damit kann man die Temperatur im Stall gut um bis zu vier Grad weniger als die Außentemperatur unterschreiten“, erklärt der Hähnchenmäster im Braunschweiger Land. Da junge Tiere eine Temperatur von 35 Grad benötigen, könne bei hohen Außentemperaturen so mancher Hähnchenmäster nun Gas sparen. Bei den erwachsenen Tieren helfe gegen Hitze das Lüften und Vernebelungskälte mittels moderner Technik. Zudem werde in den Ställen der Wasserdruck erhöht, damit für die Tiere Wasser im Überfluss vorhanden ist. „Hier steht das Tierwohl im Vordergrund, auch wenn dies die Tiere zum Spielen verführt“, erklärt Löhr. Weiterhin werden die Hähnchen für die Schlachtung nachts verladen, um bei hohen Außentemperaturen Stress für die Tiere zu vermeiden.

„Das A und O bei großer Hitze ist bei den Schweinen das Überprüfen der Alarmanlagen für die Lüftung“, zeigt Vize-Präsident Jörn Ehlers auf. Die Lüftungsanlagen moderner Schweineställe sorgen nicht nur für ein angenehmes Klima im Stall, sondern auch für den Austausch der Luft und müssen daher fit sein, appelliert der Schweinehalter aus Rotenburg-Verden. Bei einem Lüftungsausfall im Winter bekommen die Schweine maximal einen Schnupfen, im Sommer hingegen wären die Folgen mit zu wenig Luft und starker Hitze weitaus größer. „Mit Wasservernebelungsanlagen können wir zudem die Ställe kühlen. Wichtig ist auch bei den Schweinen die Kontrolle der Wasserzufuhr, damit sie gut durch die heißen Sommertage kommen.“ (LPD 54/2022)

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Silke Breustedt-Muschalla

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