Warum Niedersachsen ein aktives Wolfsmanagement braucht

L P D – Der Wolf ist zurück – und er polarisiert und verschärft den Konflikt zwischen Landwirtschaft, Jägerschaft, Politik und der Bevölkerung im ländlichen Raum. In der zweiten Folge der Landvolk-Podcast-Staffel zum Wolf diskutiert Moderatorin Wibke Langehenke mit Jörn Ehlers, Sprecher des Aktionsbündnisses Aktives Wolfsmanagement sowie Vizepräsident des Landvolks Niedersachsen, Helmut Dammann-Tamke, Präsident der Landesjägerschaft Niedersachsen und des Deutschen Jagdverbandes, sowie Helmut Habermann, Landwirt und Vertreter der Pferdeland Niedersachsen GmbH, über den Umgang mit dem Wolf in Niedersachsen – und über die politischen Versäumnisse der vergangenen Jahre.

Im Mittelpunkt steht das Aktionsbündnis Aktives Wolfsmanagement, das vor rund zehn Jahren gegründet wurde, weil Politik und Verwaltung auf die zunehmenden Probleme nicht reagierten. „Wir wollten gegenüber der Politik endlich mit einer einheitlichen, abgestimmten Meinung auftreten“, erklärt Ehlers. Verbände aus Landwirtschaft, Tierhaltung, Jägerschaft, Landjugend und Landfrauen haben sich zusammengeschlossen, weil klar war: Einzelstimmen verhallen – nur gemeinsamer Druck entfaltet politische Wirkung.

Dass die heutige Situation vorhersehbar war, macht Jägerpräsident Dammann-Tamke deutlich. Bereits 2010 habe man prognostiziert: „Der Wolf wird kommen, er wird Rudel bilden und es werden jedes Jahr mehr.“ Diese Einschätzung habe sich vollständig bestätigt. Umso unverständlicher sei das jahrelange politische Zögern. Der Wolf sei kein unberechenbares Tier, so Dammann-Tamke: „Er ist sehr kalkulierbar – auch in Bezug auf die negativen Seiten.“ Genau diese negativen Seiten, wie die exponentielle Vermehrung und die damit verbundenen zahlreichen Tierrisse, treffen heute die Nutztierhalter mit voller Wucht.

Aus Sicht der Gesprächspartner konzentriert sich die Politik weiterhin stark auf Herdenschutz. Im Aktionsbündnis besteht jedoch Einigkeit, dass dieser Ansatz allein nicht ausreicht: Zäune, Netze und Förderprogramme stoßen ohne begleitende Eingriffe in den Wolfsbestand an praktische, finanzielle und rechtliche Grenzen – insbesondere bei Großtieren, in der Weidetierhaltung und an der Küste. Dammann-Tamke bringt es auf den Punkt: „Ohne Eingriffe in die Population funktioniert das nicht in unserer Kulturlandschaft.“

Wie real die Lage ist, zeigt Helmut Habermann am Beispiel der Pferdehaltung. „Wir wissen, dass Pferde zum Beutespektrum einzelner Wolfsrudel gehören“, sagt er. Rund 20 Prozent der Rissereignisse betreffen inzwischen Großtiere.

Das Landvolk warnt zudem vor den gesellschaftlichen Folgen politischen Nicht-Handelns. „Du treibst die Leute politisch in extreme Richtungen“, warnt Ehlers. Politik müsse jetzt verlässliche rechtliche Rahmenbedingungen für ein aktives Wolfsmanagement mit Wolfsabschüssen schaffen und offen hinter Tierhaltern und Jägern stehen.

Im Podcast werden weitere Themen diskutiert: Die besondere Situation der Deichschafhaltung, der Druck durch soziale Medien, Forderungen nach wolfsfreien Weidegebieten sowie anonymisierte Meldeverfahren für Wolfsabschüsse. Aktives Wolfsmanagement darf kein Tabu mehr sein – es ist überfällig.

Hier die aktuelle Folge auf Spotify hören: Aktionsbündnis Aktives Wolfsmanagement – braucht’s das wirklich? – Der Landvolk-Podcast (LPD 12/2026)

Alisha Trilling

Redakteurin

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