Landwirte gestalten Nachmittagsbetreuung in Grundschulen
L P D – Welche Lebensmittel wachsen in Deutschland? Und wie hängt die Landwirtschaft vor der Haustür mit dem Essen zusammen, das auf dem Teller kommt? Diese Fragen beantworten die Landwirtinnen und Landwirte bei der Bauernhof-AG an elf Schulstandorten im Landkreis Northeim. „Natürlich wird auch der Unterschied zwischen Heu und Stroh behandelt“, schmunzelt Projektkoordinatorin Malin Bracht vom Landvolk Northeim-Osterode, die die Schulen und die 30 teilnehmenden Betriebe betreut. Gerade die praktischen Tätigkeiten wie Futter ranschieben oder im Hühnerstall die Eier einzusammeln, kämen auf den Höfen bei den Kindern besonders gut an.
Je nach Jahreszeit zeigen die Landwirte Drillmaschinen, Mähdrescher oder Düngerstreuer und spannen dabei den Bogen zu Regionalität, Saisonalität, Umweltschutz und Landschaftspflege. „Ich sehe mich dabei in der informierenden Rolle, denn nur wer informiert ist, kann sich auch eine eigene Meinung bilden“, betont Bracht, die sich mit den Betrieben abwechselt und nach dem Nachmittag in der Hofwoche in die Schulen geht, um die Inhalte mit den Kindern nachzubesprechen und weiterzuführen.
Gestartet wurde das Projekt im September 2024 und läuft noch bis August 2026. „Ich hoffe, dass sich ein Folgeprojekt anschließt und wir das Projekt auch auf den Altkreis Osterode ausweiten können“, sagt Bracht. Das Interesse bei den Landwirten ist jedenfalls groß – bis zu vier Partnerbetriebe gibt es pro Schule. „Das ist ein wichtiges Projekt, um die Distanz zur Landwirtschaft abzubauen“, lauten die Rückmeldungen unisono. Und die Nachfrage von den Schulen ist ebenfalls da, auch weil ab 1. August der gesetzliche Anspruch auf Ganztagsförderung an Niedersachsens Grundschulen gilt.
Das ist auch ein Grund, warum die Bauernhof-AG in weiteren Landkreisen Schule macht. „Seit den Sommerferien betreuen wir ein Projekt in Bremen und im nächsten Schuljahr kommt eine Schule in Ganderkesee dazu“, erläutert Fenja Hattendorf vom Projekt „Landwirtschaft macht Schule“. Dann soll die wöchentliche AG in der Schule mit acht Hofbesuchen pro Halbjahr bei sechs verschiedenen Landwirten ergänzt werden. Bislang fährt die Bauernhofpädagogin oder ein Berufskollege einmal pro Woche bepackt mit großen Taschen in die Schule, um den Kindern zum Beispiel Futter, Schweineborsten oder Bodenroste aus dem Schweinestall zu zeigen. „Das sind Gerüche, die die Kinder noch gar nicht kennen“, beschreibt Hattendorf das Lernen mit allen Sinnen.
Bei den Kindern sind konkrete Projekte, wie das Aussäen von Getreide in Töpfen, die anschließende Ernte und das Vermahlen des Getreides besonders beliebt. „Die Kinder wollen gerne mithelfen und erfahren dadurch die Zusammenhänge von Landwirtschaft und Lebensmitteln“, lautet ihre Erfahrung. Und die selbst aus der Erde geklaubten Kartoffeln schmeckten durch die intensive Erfahrung dann auch viel aromatischer als die aus der Tüte im Supermarkt. (LPD 19/2026)

