Nebenkosten und Ehrenamt sind limitierende Faktoren bei den Kitzretter-Vereinen
L P D – Die Rehkitzrettung im Grünland steht vor der nächsten Saison – daher wird die Fortsetzung der Drohnenförderung für die Rehkitzrettung durch den Bund von Landwirten, Jägern und Kitzretter-Vereinen grundsätzlich begrüßt. Doch in der Praxis wächst die Kritik: Allein mit Zuschüssen zur Anschaffung der Technik ist den Jungtieren langfristig nicht geholfen. Rehkitzretter-Vereine und Jägerschaften stoßen zunehmend an organisatorische und finanzielle Grenzen. Das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat stellt auch 2026 wieder 2,1 Millionen Euro für Drohnen mit Wärmebildtechnik bereit. Vereine können bis zum 30. Juni Anträge stellen, pro Gerät gibt es einen Festbetrag von 3.000 Euro. Die Technik gilt als effektivste Methode, um Rehkitze im hohen Gras vor der Mahd aufzuspüren.
Doch die Förderung greift aus Sicht vieler Praktiker zu kurz. „Das ist natürlich gut, dass Drohnen wieder gefördert werden“, sagt Michael Schwerdtfeger von der Jägerschaft Seesen, die gemeinsam mit der Rehkitzrettung Goslar in der Region alljährlich die Flächen dort abfliegt. Drei Drohnen seien bereits im Einsatz. „Eine vierte Drohne anzuschaffen, bringt uns aber nicht wirklich weiter. Die Anschaffung wird gefördert – die laufenden Kosten für Versicherung, Wartung oder Fahrtkosten der Piloten müssen wir aber selbst tragen.“ Gerade diese Posten seien in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen.
Auch Zubehör treibt die Kosten in die Höhe. Wärmebild-Monitore, Transportkörbe oder Kescher für die Bergung der Kitze müssten häufig separat finanziert werden. „Allein ein Bildschirm kostet schnell 1.600 Euro“, berichtet Schwerdtfeger. Unterstützung komme hier teilweise von Stiftungen, etwa der Bingo-Umweltstiftung.
Beim Rehkitzretter-Verein Hardegsen sieht die Lage ähnlich aus. Vorsitzender und Hegeringleiter Lars Sievert berichtet von Anschaffungskosten von rund 7.000 bis 8.000 Euro pro Drohne inklusive Akkus. „Für einen Verein, der sich fast nur aus Spenden und Mitgliedsbeiträgen finanziert, ist der Eigenanteil einfach sehr hoch“, sagt er. Zudem seien mit der Förderung klare Verpflichtungen verbunden: „Die Drohnen müssen regelmäßig fliegen. Wenn das nicht passiert, kann es im Zweifel sogar zur Rückforderung der Fördermittel kommen.“
Neben den Kosten wird zunehmend der Faktor Ehrenamt zur Herausforderung. Pro Drohne braucht es mehrere Helfer – vom Piloten bis zu den Suchtrupps im Feld. „Bei drei Drohnen kommt man schnell auf fast 20 Leute. Und alle können nicht immer“, erklärt Sievert.
Mit Beginn der Mahdsaison im Frühjahr steigt gleichzeitig der Einsatzdruck. Immer mehr Landwirte melden sich mit der Bitte um Unterstützung – viele Flächen müssen daher früh am Morgen aufgrund des dann auf dem Monitor sichtbaren Temperaturunterschiedes abgesucht werden, bevor die Mähwerke starten.
Der Tenor aus Landwirtschaft und Jägerschaft ist daher klar: Die Drohnenförderung ist ein wichtiger Baustein für den Tierschutz. Doch ohne Unterstützung bei Unterhalt, Versicherung und ehrenamtliche Arbeit stößt die Rehkitzrettung vielerorts an ihre Grenzen. (LPD 20/2026)

