Landvolk will Berater im Umgang mit psychischen Krisen schulen
L P D – „Mein Unfall war ein Hilfeschrei. Ich habe schon lange vorher gedacht, dass etwas passieren muss, damit ich mal ein paar Tage raus bin“ – Friedel Könecke weiß aus eigener Erfahrung, was es heißt, wenn die Arbeit auf dem Hof zur Belastung wird. Erst ein Unfall brachte den Landwirt dazu, aus seinem täglichen Hamsterrad auszusteigen. Seine Geschichte zeigt, wie wichtig es ist, Warnsignale ernst zu nehmen und rechtzeitig Hilfe zu organisieren. Dafür möchte das Landvolk Niedersachsen seine Beraterinnen und Berater sensibilisieren und wirbt für eine Fortbildung als „Mental Health First Aid Coach“.
Denn der Druck auf vielen Höfen ist groß. Wetter, Bürokratie, schlechte Marktpreise und erhebliche Kostensteigerungen verschärfen auf vielen Höfen die Situation und damit auch die Stimmung in den Familien. „Umso wichtiger ist es, zu erkennen, wenn eine Situation für einen Menschen zu belastend wird und Unterstützung anzubieten“, sagt Wiebke Rimasch.
Genau an diesem Punkt setzt ihr Angebot an. „Die Fortbildung richtet sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die in ihrer täglichen Arbeit regelmäßig mit Menschen in belastenden Lebenssituationen konfrontiert werden“, sagt die Psychologin und Psychotherapeutin, die selbst auf einem Resthof im Raum Verden lebt und diese Schulungen unter anderem bereits für die Landfrauen durchgeführt hat. Ob sie im Frühjahr auch beim Landvolk zustande kommt, hängt noch von der Zahl der Interessenten ab.
Dass es auch ein Leben neben der Arbeit geben muss, erzählt Könecke im Podcast „Was, wenn“ vom Evangelischen Kirchenfunk Niedersachsen-Bremen. „Burnout ist ein Erschöpfungszustand, dafür muss sich keiner schämen“, appelliert er an seine Berufskollegen, darüber zu sprechen, wie es ihnen geht und sich Hilfe zu suchen. Das könne auch anonym sein.
Die Krisenhotline der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) ist 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche unter 0561 785 – 10101 zu erreichen. Die Telefonnummern der Landwirtschaftlichen Sorgentelefone und Beratungsangebote in Niedersachsen sind unter https://sorgentelefon-landwirtschaft.de/sorgentelefone.html zu finden.
(LPD 79/2026)

