Krieg in der Ukraine lässt die Preise steigen – Tierhalter stehen unter Druck

L P DDer Februar kennzeichnet die Halbzeit bis zur nächsten Ernte – genau so lange wie bisher müssen die Getreidevorräte noch reichen. Die Mischfutterhersteller, deren Produkte hauptsächlich für Schweine und Geflügel gedacht sind, haben derzeit laut der Agrarmarktinformationsgesellschaft (AMI) noch einen größeren Bedarf an Getreide bis zum Anschluss an die kommende Ernte. Bereits vor dem Krieg zwischen Russland und der Ukraine haben sie angesichts der vergleichsweise hohen Getreidepreise sowie des unsicheren Nachfragevolumens der Schweinebranche vorsichtig gehandelt.

Der Konflikt zwischen den beiden großen Playern im Getreidemarkt wirkt sich nun zusätzlich auf die Preisentwicklung aus. Denn sowohl die Ukraine als auch Russland gehören zu den weltweit größten Weizenexporteuren. „In der angespannten Lage werden Rohstoffe wie Getreide, aber auch Raps, Soja, Mais und Sonnenblumen knapp“, sagt Albert Hortmann-Scholten von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Der niedersächsische Bauer stehe mitten in einer globalen Rohstoffspirale.

„Die Ukraine ist bekannt für ihre großen Anbaugebiete mit Sommerweizen“, bestätigt Landvolk-Vizepräsident Ulrich Löhr. Ob die Landwirte vor Ort in diesem Jahr ihre Äcker überhaupt bestellen können und was dann daraus werde, sei offen. Er erwartet, dass auch die Ernteschätzung des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums, welches von schlechten Aufwuchsbedingungen für Mais und Soja durch Trockenheit ausgeht, die Preise weiter steigen lassen wird.

Dies setzt die niedersächsischen Tierhalter unter Druck. „Ich glaube nicht, dass die Landwirte Preise für ihre Schweine, Rinder oder Hähnchen erzielen werden, die die hohen Futterkosten kompensieren können“, ist sich Hortmann-Scholten sicher. „Landwirte, die ihre Futtergetreidebestände zum größten Teil aus eigener Ernte erbringen können, bleiben nicht nur höhere Preise sowie der Transport zur Mühle erspart, sondern sie können eine höhere Wertschöpfung erzielen und ihre CO2-Bilanz ist ebenfalls besser“, führt Löhr aus. Hähnchenhalter beispielsweise erwirtschaften aufgrund der gestiegenen Futterpreise bereits jetzt bestenfalls den Deckungsbeitrag, für einen Gewinn reichen die Erlöse nicht. „Das ist weniger dramatisch als bei den Schweinehaltern, Spaß macht es aber auch nicht gerade“, rechnet Löhr vor. Den Hähnchenhaltern komme zugute, dass es in Deutschland eine gleichmäßig hohe Nachfrage nach dem fettarmen Fleisch der Tiere gebe. „Dass Hähnchen zudem Mist produzieren und damit wertvollen, natürlichen Dünger, ist bei den enormen Düngerpreisen mehr als vorteilhaft. Der Misthaufen wird zur Wertanlage“, verdeutlicht Löhr abschließend. (LPD 17/2022)

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