Netzanschluss Erneuerbare Energien: Landwirte sehen geplante Reformen skeptisch
L P D – In der Landwirtschaft wächst die Verunsicherung: Während Höfe zunehmend auf erneuerbare Energien setzen, sorgt ein geleakter Gesetzesentwurf – das sogenannte Netzpaket – derzeit für intensive Diskussionen im ländlichen Raum. „Viele Betriebe haben in den vergangenen Jahren in Photovoltaik, Biogas oder Batteriespeicher investiert, um zusätzliche Einkommensquellen zu schaffen und die Energiewende aktiv mitzugestalten. Nun blicken sie mit gemischten Gefühlen auf die geplanten Änderungen“, berichtet Alexander von Hammerstein. Er ist Vorsitzender des Ausschusses „Erneuerbare Energien“ beim Landvolk Niedersachsen und teilt die Sorgen der Landwirte.
Der Gesetzgeber begründet das Netzpaket mit den steigenden Anforderungen an das Stromnetz. Der Ausbau erneuerbarer Energien sowie die Elektrifizierung von Wärme und Verkehr hätten die Zahl der Netzanschlussanfragen stark erhöht. Allein für Batteriespeicher wurden 2024 Anschlussanträge für insgesamt 400 Gigawatt Leistung gestellt. „Nach Ansicht vieler Landwirte zeigt dies zwar den Erfolg der Energiewende, offenbart aber zugleich strukturelle Schwächen beim Netzausbau“, führt von Hammerstein aus.
Bisher galt bei den Netzanschlussanfragen das Windhundverfahren. Das soll nun allerdings ein Ende haben. Künftig sollen Netzbetreiber Anschlussanfragen priorisieren dürfen, um spekulative Projekte auszusortieren. Grundsätzlich stößt dieser Ansatz auf Verständnis, denn blockierte Netzkapazitäten treffen oft gerade kleinere, ernsthafte Projekte im ländlichen Raum. Gleichzeitig wächst jedoch die Sorge, dass landwirtschaftliche Betriebe gegenüber großen Investoren ins Hintertreffen geraten könnten.
Positiv bewertet wird dagegen die geplante Digitalisierung der Netzanschlussverfahren. Transparente Online-Karten über verfügbare Netzkapazitäten könnten Landwirten helfen, Investitionen besser zu planen. Auch verbindlichere Informationspflichten der Netzbetreiber gelten als Schritt hin zu mehr Planungssicherheit. „Das sehen wir als einen wichtigen Faktor für langfristige Hofentscheidungen“, sagt von Hammerstein.
Für erhebliche Kritik sorgt hingegen der vorgesehene Baukostenzuschuss. Bislang wurden Netzausbaukosten überwiegend von Netzbetreibern getragen. Künftig könnten Anlagenbetreiber stärker beteiligt werden. „Aus Sicht vieler landwirtschaftlicher Unternehmer erhöht dies das wirtschaftliche Risiko deutlich. In Kombination mit möglichen Netzentgelten für Einspeiseanlagen und auch Speicher befürchten sie, dass Projekte wirtschaftlich unattraktiv werden könnten“, erklärt hierzu Silke Foget, die als Syndikusrechtsanwältin im Landesbauernverband den Schwerpunkt Erneuerbare Energien betreut.
Auch die geplante Synchronisierung von Anlagen- und Netzausbau wird vom Landvolk ambivalent gesehen. Zwar erscheint es sinnvoll, Engpassregionen zu entlasten, doch der mögliche Wegfall von Entschädigungen bei Abregelungen in kapazitätslimitierten Gebieten sorgt für Unsicherheit, gerade in strukturschwachen Regionen mit hohem Ausbaupotenzial. Hinzu kommen neue Chancen und Fragen zugleich: Erleichterungen für Batteriespeicher in Kombination mit bestehenden Anlagen könnten flexible Betriebsmodelle ermöglichen, verlangen jedoch zusätzliche Investitionen und technische Anpassungen.
Da es sich bislang nur um einen geleakten Entwurf handelt, bleibt vieles offen. Im Landvolk überwiegt daher eine abwartende Haltung. „Klar ist jedoch schon jetzt: Die kommenden gesetzlichen Änderungen werden maßgeblich darüber entscheiden, ob landwirtschaftliche Betriebe weiterhin tragende Säulen der Energiewende bleiben können“, sind sich von Hammerstein und Foget einig. (LPD 27/2026)

