Ausstieg Anbindehaltung / Junge Landwirte: „Übergangszeiten und Baugenehmigungen sind entscheidend“

L P D – Auf einmal geht es ganz schnell, die niedersächsische Landesregierung drückt beim Verbot der Anbindehaltung aufs Tempo und hat den Ausstieg aus der Anbindehaltung beschlossen. Das Landvolk Niedersachsen trägt den Umbau grundsätzlich mit, doch Kritik am politischen Vorgehen bleibt bestehen, denn auch für niedersächsische Rinderhalter ist es ein sensibles Thema: „Entscheidend ist jetzt, dass der Wandel praktisch umsetzbar ist und mit zugesagten Fördermitteln, vereinfachten Baugenehmigungen sowie begleitender Beratung erfolgt“, sagt Landvolk-Vizepräsident Frank Kohlenberg. Er vermisst bisher eine konkrete Ansage zur verlässlichen Planung.

Die traditionelle Haltungsform, bei der Kühe zeitweise bzw. saisonal angebunden sind, steht seit Jahren aus Tierschutzsicht in der Kritik. Gleichzeitig ist sie auf vielen kleineren Familienbetrieben historisch gewachsen. Nach Ansicht des Landvolks dürfen diese beim jetzt angeschobenen Umbau nicht allein gelassen werden: Schnelle Genehmigungen für Baumaßnahmen – z. B. durch ein reines Anzeigeverfahren – und zugesagte Fördermittel müssen sofort geregelt werden. Dabei muss auch eine deutliche Aufstockung der oft kleinen Bestände möglich sein, damit die Umstellung finanzierbar ist.

Dass Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte das Ende der Anbindehaltung noch vor 2027 durchsetzen will, war bereits kurz nach der Wahl erklärtes Ziel. Im Tierschutzplan Niedersachsen wurde das Thema mit 25 Organisationen verhandelt. Das Landvolk brachte dort Vorschläge zur Umsetzbarkeit ein – vor allem, um den massiven Zeitdruck für Niedersachsens Milchvieh- und Rinderhalter abzumildern und die Kosten nicht zum Wettbewerbsnachteil werden zu lassen.

Aus Sicht des Landesbauernverbandes konnten wichtige Punkte erreicht werden: gestaffelte Übergangsfristen von bis zu neun Jahren, verlängerte Zeiträume für Baugenehmigungen und eine finanzielle Förderung für Umbauten und Beratung. „Ohne diese Zugeständnisse wäre das Vorhaben für viele Höfe schlicht nicht umsetzbar“, sagt Kohlenberg.

Doch zufrieden ist der Berufsstand erst, wenn diese Punkte erfüllt sind und die Fehler im Prozess künftig abgestellt werden: Vor dem Erlass gab es keine belastbare Folgenabschätzung. „Die Tierzahlen, die aus den Landkreisen gemeldet wurden, sind unsicher. Niemand weiß genau, wie viele Betriebe wirklich betroffen sind“, kritisiert Kohlenberg. Ein politisch gewolltes Verbot dürfe nicht dazu führen, dass Tierhaltung schleichend aus Niedersachsen verschwindet.

Diese Sorge teilt auch die junge Generation. Max Klockemann, Vorsitzender der Junglandwirte Niedersachsen, warnt: „Die Anbindehaltung ist auch für uns ein Auslaufmodell. Aber es sind Übergangszeiten wichtig, wenn Hofnachfolger bereit sind, die Tierhaltung weiterzuführen. Das darf nicht dazu führen, dass wir die Tierhaltung abbauen.“ Auch die Landjugend-Vorsitzende Isabelle Pröstler sowie der gesamte Agrarausschuss der niedersächsischen Landjugend fordert Verlässlichkeit: „Junge Betriebe brauchen klare Perspektiven und echte Unterstützung – keinen kurzfristigen politischen Aktionismus.“

Entscheidend für den Ausstieg der Anbindehaltung wird die verlässliche Finanzierung. Während das Land Niedersachsen den Bund in die Pflicht nehmen will, pocht das Landvolk auf zusätzliches Geld. „Die Zuschüsse für Beratung und Umbau dürfen nicht aus bestehenden Programmen genommen werden“, stellt Kohlenberg klar. „Es geht nur mit frischen Mitteln – nicht auf Kosten anderer Förderungen.“ Zudem sei damit verbunden, dass Landwirte, die umbauwillig sind, schnelle Baugenehmigungen bekommen.

Für den Berufsstand bleibt der Kompromiss deshalb zwiespältig: akzeptabel, aber hart erkämpft. „Wir haben viel erreicht, um das Schlimmste für Niedersachsens Milchvieh- und Rinderhalter abzufedern“, sagt Kohlenberg. „Jetzt muss die Politik beweisen, dass sie Landwirtschaft nicht nur verändern, sondern auch erhalten will.“ (LPD 11/2026)

Silke Breustedt-Muschalla

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