Methanmonitoring liefert Praxiswerte – Atemluft und Milch stehen in Verbindung

L P D – Die Milchviehhalter in Norddeutschland arbeiten im internationalen Vergleich bereits sehr effizient und damit auch klimaschonend. Um dieses mit Daten aus der Praxis belegen zu können, wurden in einem Kuhstall in Ostfriesland zwei sogenannte GreenFeed-Systeme installiert. „Diese Geräte funktionieren wie Kraftfutterautomaten. Während die Tiere fressen, analysiert eine hochpräzise Sensorik ihre Atemluft und misst die Konzentrationen von Methan und Kohlenstoffdioxid“, erläutert Dr. Ernst Bohlsen, Geschäftsführer des Landeskontrollverbands Niedersachsen (LKV), der für die Milchkontrolle und die Güteprüfung der Milch zuständig ist. Da mehr als 90 Prozent des Methans über die Atemluft abgegeben werden, lieferten diese Messungen besonders präzise Referenzwerte.

Nach der Fragestellung „Was ist reingegangen, was ist rausgegangen?“ werden zudem alle 14 Tage Milchproben untersucht sowie die Futtermenge erfasst und analysiert. Neben Inhaltsstoffen wie Fett und Eiweiß liefern die Milchproben weitere wertvolle Informationen. „Mithilfe moderner Infrarot-Technologie (MIR), lassen sich aus den Milchspektraldaten Rückschlüsse auf den Methanausstoß von Kühen ziehen“, sagt Bohlsen. Internationale Studien bestätigen bereits das Potenzial dieser Methode, deren Ergebnisse auch in die Klimaschutzstrategie des Landvolks Niedersachsen einfließen werden.

„Die Kombination aus Atemgasreferenzmessungen und Milchspektralanalysen eröffnet den Weg zu einem Verfahren, das langfristig flächendeckend und wirtschaftlich genutzt werden kann“, erläutert Bohlsen. Der große Vorteil: Die Analyse basiert auf einem bestehenden und kostengünstigen Verfahren. Für Landwirte entsteht kein zusätzlicher Aufwand, da die Proben ohnehin im Rahmen der regulären Milchkontrolle entnommen werden. „Der LKV Niedersachsen ist bundesweit der erste Verband, der GreenFeed-Messsysteme auf Praxisbetrieben einsetzt. Damit bringen wir eine Technologie, die bisher vor allem in wissenschaftlichen Versuchseinrichtungen genutzt wurde, direkt in den Stall“, betont Bohlsen. Weltweit sind etwa 1.000 Geräte im Einsatz, in Niedersachsen stehen Nummer 886 und 887.

Gelingt die Validierung, könnte der Methanausstoß einzelner Kühe künftig kostengünstig, regelmäßig und tierindividuell über Milchproben ermittelt werden. „Wir sehen darin interessante Perspektiven für die Optimierung betrieblicher Entscheidungen und für die weitere Senkung von Emissionen in der Milchviehhaltung“, sagt Bohlsen. Dadurch ließen sich flächendeckend wertvolle Daten gewinnen – eine wichtige Grundlage für gezielte Maßnahmen in Fütterung, Zucht und Herdenmanagement. In der Folge profitierten auch die Molkereien von der verbesserten Klimabilanzierung auf Unternehmensebene. (LPD 20/2026)

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