Fünf Familien aus Holtrup im Landkreis Vechta öffnen am 9. Juni ihre Höfe

L P D – Am Sonntag, 9. Juni, öffnen in ganz Niedersachsen 65 Betriebe ihre Tore zum Tag des offenen Hofes, um die Vielseitigkeit der modernen Landwirtschaft zu zeigen. Die Besucherinnen und Besucher können den ganzen Tag lang das Landleben riechen, hören und schmecken. Das Landvolk Niedersachsen begleitet die Veranstaltungen mit seinen 35 Kreisverbänden. „Nie war der Tag des offenen Hofes so wertvoll wie heute“, sagt Landvolkpräsident Dr. Holger Hennies. Das Interesse an Tierhaltung, Ackerbau und allgemein der Herkunft von Lebensmitteln sei riesig und die Möglichkeit, Informationen aus erster Hand direkt vom Bauern zu erhalten, unbezahlbar. „Gerade die Tierhalter brauchen einen stabilen gesellschaftlichen Rückhalt, um daraus Perspektiven für die Zukunft zu generieren“, sagt Hennies. Diskussionen und Demonstrationen hätten gezeigt, wie wichtig es sei, miteinander zu reden.

„Jeder soll sich wohlfühlen“, nennt Arnold Fischer ein weiteres Ziel. In seiner Reithalle in Holtrup im Landkreis Vechta findet die offizielle Eröffnungsfeier des Tags des offenen Hofes mit Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil statt. Neben Weil und Hennies werden Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte und Andrea Lütke als Direktorin des NDR Landesfunkhauses Niedersachsen den Startschuss für den Aktionstag geben. Die Veranstaltung beginnt um 10 Uhr mit einem Gottesdienst, den Weihbischof Wilfried Theising aus Vechta hält, ab 11 Uhr folgen die Grußworte. Moderiert wird die Eröffnung von Maja Mogwitz und Andreas Kuhlage. Die Landwirtin und der Radio-Moderator sind durch den Landwirtschafts-Podcast „63 Hektar“ des NDR bekannt.

„Tierhaltung ist unser Steckenpferd“, sagt Jan-Heinrich Wilking als einer der fünf Landwirte, die beim Tag des offenen Hofes in Holtrup dabei sind. Um den Besucherinnen und Besuchern die Haltung seiner Putenhähne näher zu bringen, baut er eine große Leinwand auf und zeigt einen Film, der nur wenige Wochen zuvor in seinem Stall gedreht wurde. „Wir würden gerne einen Wintergarten an den Putenstall anbauen, um den Tieren mehr Platz zu geben und direkte Einblicke in den Stall zu erlauben. Das wurde von den Behörden allerdings abgelehnt“, bedauert Wilking.

Das Tierwohl steht auch bei Fischers Reitstall an erster Stelle. „Wir haben neue Spring- und Dressurplätze sowie Laufställe gebaut, und ich kann mit Stolz sagen, dass Pferde aus unserem Stall seitdem an Bundeschampionaten und Weltmeisterschaften der jungen Pferde erfolgreich teilgenommen haben“, sagt Fischer, der sich mit dem Kauf der Reitanlage 2018 einen Kindheitstraum erfüllt hat. Dort, wo am 9. Juni die Eröffnung gefeiert wird, werden sonst Pferde in die ganze Welt versteigert. Auch beim Tag des offenen Hofes sollen ein Oldtimer-Trecker und zwei Ponys für den guten Zweck unter den Hammer kommen.

Fischer freut sich auf die prominenten Gäste bei der Eröffnung und wünscht sich sonniges Wetter, damit viele Besucherinnen und Besucher auf seine Reitanlage und auf die Höfe im ganzen Land fahren. „An der Organisation habe ich viel Spaß“, sagt er mit Blick auf das Rahmenprogramm, das dem Stoppelmarkt in Vechta nahekommt – inklusive Hubschrauberrundflügen, Bauernmarkt und großem Kran mit Aussichtsgondel. „Der Zusammenhalt unter den Bauern im Ort ist super“, hat Fischer während er Vorbereitungen festgestellt. Neben den Familien Wilking und Fischer öffnen die Familien Zurhake, Nieske und Reinke ihre Hoftore.

„Wir haben Solaranlagen auf den Ställen und können unseren Betrieb komplett autark mit Eigenstrom versorgen“, erläutert Georg Reinke jun., dem es wichtig ist, CO2-neutral zu wirtschaften. Über eine Biogasanlage speist er zudem Energie über ein Fernwärmenetz in die Nachbarschaft ein. „Wir sind mit unserem schlüssigen Energiekonzept sehr gut aufgestellt“, sagt Reinke, der den Hof gemeinsam mit seinen Eltern Monika und Georg bewirtschaftet und dessen Familie den Hof seit Anfang des 19. Jahrhunderts besitzt.

In der Schweinehaltung hat sich seitdem viel getan, und die Familie richtet den Hof trotz historischer Verbundenheit ständig nach modernen Standards aus. „Die Schweine haben Raufen mit Luzernepellets, organisches Spielmaterial und zehn Prozent mehr Platz als früher“, beschreibt der Landwirt das Bild, das die Besucher durch die Scheibe zum Schweinestall sehen können. Auch auf die Bullen können die interessierten Gäste durch den offenen Stall einen Blick werfen. Rundherum präsentieren sich von Futtermittellieferanten über Handwerker und Biogasanlagenanbietern viele Stände auf der „riesengroßen Landwirtschaftsausstellung“.

Darauf ist auch Gottfried Zurhake gespannt. „Da können wir zeigen, was an der Landwirtschaft alles dranhängt“, sagt der Landwirt, der nach dem Studium in Göttingen 37 Jahre lang Futterrezepturen in verschiedenen Mischfutterwerken ausgetüftelt und den Hof seiner Ehefrau Mechthild gemeinsam mit ihr im Nebenerwerb bewirtschaftet hat. Mittlerweile ist er seit sieben Jahren in Rente, füttert seine 1.200 Schweine jedoch weiterhin mit der 6-Phasen-Fütterung sehr individuell an ihren Bedarf angepasst. „Vor allem, Stickstoff und Phosphor sind stark reduziert, um die Nährstoffausscheidungen zu verringern und die Futterverwertung zu verbessern“, verdeutlicht er.

Alle 14 Tage bekommt er Ferkel von einem Hof im Emsland. „5xD, das ist mir ganz wichtig“, sagt Zurhake. Das bedeutet, dass die Tiere in Deutschland geboren, gemästet, geschlachtet, zerlegt und verarbeitet wurden. Der Landwirt freut sich auf das Interesse der Besucher, die durch seine Stallfenster schauen und mit ihm fachsimpeln wollen.

Neben der Haltung von Sauen zieht auch Theo Nieske mit seiner Familie jedes Jahr Ferkel im geschlossenen System auf. Was seinen Betrieb von den Kollegen abhebt, ist jedoch der Grünkohlanbau. „Nach der Gerstenernte pflanze ich 27.000 Setzlinge pro Hektar, die dann bis Weihnachten geerntet werden“, beschreibt er den Jahresverlauf. Der Landwirt freut sich über die positiven Auswirkungen der Hackfrucht auf das Bodengefüge und die Auflockerung der Fruchtfolge aus Mais, Gerste und Weizen durch die „Zwischenfrucht“ Grünkohl, der abschließend als tiefgefrorenes Gemüse in die Supermärkte kommt. Und auch wenn derzeit keine Grünkohlsaison ist, spannt das doch den Bogen zwischen dem Bauern als Erzeuger und dem Verbraucher als Genießer der hochwertigen Lebensmittel aus Niedersachsen. „Ich freue mich darauf, die Besucherinnen und Besucher auf meinem Hof zu begrüßen und ihre Fragen zu beantworten“, sagt Nieske.

Der Norddeutsche Rundfunk ist Kooperationspartner und begleitet den Tag des offenen Hofes nun zum 14. Mal. Der Tag des offenen Hofes wird unterstützt durch die VGH Versicherung, die Öffentliche Versicherung Oldenburg, die Ostfriesische Landschaftliche Brandkasse und die Öffentliche Versicherung Braunschweig. Auf der Internetseite www.tag-des-offenen-hofes-niedersachsen.de sind alle Informationen auf einen Blick zusammengefasst und auch die einzelnen Höfe aufgeführt. (LPD 42/024)

Redakteurin

Wiebke Molsen

T: 0511 – 3670476

E-Mail-Kontakt