Pflanzenausschuss des Landvolks blickt mit Sorge – und Entschlossenheit – auf die Ernte 2026
L P D – Vielfältig waren die Themen im Ausschuss für pflanzliche Erzeugnisse des Landvolks Niedersachsen – und emotional der Abschied vom Ausschussvorsitzenden Thorsten Riggert. Aus gesundheitlichen Gründen gibt er den Vorsitz ab. Seinem Stellvertreter Konrad Westphale dankte er ausdrücklich für die verlässliche Unterstützung in den vergangenen Monaten. Die Mitglieder würdigten Riggerts intensiven Einsatz für den Ackerbau auf politischer Landes- und Bundesebene.
Inhaltlich zeigte die „Tischrunde“: Niedersachsens Ackerbauern stehen in den Startlöchern – doch das Wetter bremst. Tauwetter und Niederschläge sorgten vielerorts für nasse Böden, Drainagen laufen auf Hochtouren. An Gülleausbringung ist regional noch kaum zu denken, obwohl die Kulturen dringend Nährstoffe benötigen. Das Landvolk setzt sich daher weiter für eine Ausnahmegenehmigung zur Düngung auf gefrorene Flächen ein, welche im Tagesverlauf auftauen, wie sie andere Bundesländer handhaben – insbesondere mit Blick auf Marsch- und Moorregionen, die später kaum befahrbar sind.
Positiv bewertet wurde die durch das Wetter begünstigte gute Herbizid-Wirkung, die dafür gesorgt hat, dass regional Pflanzenschutzmittel eingespart werden konnten. Sorge bereitet hingegen die zunehmende Ausbreitung des Erdmandelgrases, ein äußerst anpassungsfähiges Ungras, bei dem es an Bekämpfungsstrategien fehlt. Regional ist die Lage auf den Feldern unterschiedlich: Die Winterkulturen entwickeln sich größtenteils vielversprechend, während Ostfrieslands Betriebe teils massive Schäden durch Gänsefraß melden.
Wirtschaftlich trüben niedrige Preise die Stimmung. Besonders angespannt ist die Lage bei der Zuckerrübe. Überproduktion in Europa und die Ausbreitung der Schilfglasflügelzikade verschärfen den Druck. Monitoring und Notfallzulassungen seien hier keine dauerhafte Lösung – das Landvolk fordert daher eine Gesamtstrategie bei der Bekämpfung der Schilfglasflügelzikade.
Am Markt für Winterweizen, Gerste, Kartoffeln und Co. führten sehr gute Ernten 2025 zu deutlichen Preisrückgängen – verstärkt durch weltweite Rekorderträge in Kanada, Argentinien und Indien sowie die Exportkonkurrenz durch günstiges Getreide aus Russland. Das zeigte der Rückblick auf 2025, den Stephanie Stöver-Cordes von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen dem Ausschuss gab. Für die Ernte 2026 haben Niedersachsens Ackerbauern ihre Herbstaussaat angepasst: Winterweizen wurde auf 381.300 Hektar ausgesät, Roggen auf 129.900 Hektar, Triticale auf 34.200 Hektar, Wintergerste auf 160.900 Hektar und Winterraps auf 111.400 Hektar. Bundesweit wuchs die Wintergetreidefläche auf 4,96 Millionen Hektar – ein Plus von 1,3 Prozent.
„Die Zahlen zeigen: Trotz aller Unsicherheiten bleibt der Wille, Verantwortung für Versorgung und Wettbewerbsfähigkeit zu übernehmen. Niedersachsens landwirtschaftliche Betriebe investieren weiter – im Vertrauen auf bessere Marktimpulse zur Ernte 2026“, fasst der stellvertretende Ausschussvorsitzende Konrad Westphale zusammen. (LPD 17/2026)

