Landvolk-Podcast: Zwischen Anspruch, Markt und Wettbewerbsfähigkeit
L P D – Wie kann die Zuckerrübe zum Klimaschutz beitragen? Diese Frage stand im Mittelpunkt der dritten Folge des Landvolk-Podcasts zum Rübenanbau mit Niels Kynast, dem stellvertretenden Vorsitzenden des Dachverbands Norddeutscher Zuckerrübenanbauer (DNZ) und DNZ-Geschäftsführer Dr. Heinrich-Hubertus Helmke. Moderatorin Wibke Langehenke hakte nach – und bekam klare Antworten.
„Die Fruchtfolge ist per se der Inbegriff von Nachhaltigkeit“, betont Kynast. Der Wechsel der Kulturen verhindere Schädlinge und Krankheiten. Doch Nachhaltigkeit zeigt sich nicht nur im System, sondern auch in harten Zahlen: „Wir düngen nicht mehr so viel pro Hektar, aber gleichzeitig konnten wir die Erträge immens steigern.“ In den vergangenen 30 Jahren sei der Zuckerertrag um 56 Prozent gestiegen, während der Stickstoffeinsatz um ein Drittel gesenkt wurde. „Diese Zahlen sprechen dafür, dass der Zuckerrübenanbau wirklich sehr nachhaltig ist.“
Ein großer Hebel liegt in der Düngung: CO₂-reduzierter Dünger, hergestellt mit regenerativen Energien, kann den Fußabdruck deutlich senken. „Das ist der größte Hebel, den wir in der praktischen Landwirtschaft im Moment sehen“, sagt Kynast. Doch der Preis ist hoch: Der Dünger koste derzeit etwa doppelt so viel wie herkömmliche Ware. „Ohne mehr Erlöse auf der Zuckerseite ist das schwierig darzustellen.“ Helmke ergänzt: Klimaschutz müsse entlang der gesamten Wertschöpfungskette gedacht werden, „aber am Ende kommt es darauf an, dass die Kundschaft das auch bezahlt. Wettbewerbsfähigkeit darf nicht geopfert werden.“
Kritisch sieht der DNZ, dass Fortschritte vor 2018 – dem Basisjahr der Klimaziele – nicht angerechnet werden. „Wir sollten diese Anstrengungen, die schon vor 30 Jahren begonnen wurden, auf jeden Fall würdigen“, meint Kynast. Hintergrund ist die Teilnahme der Zuckerindustrie an der Science Based Targets initiative (SBTi), die 2018 als Referenzjahr festlegt. Gerade im Zuckerrübenanbau seien enorme Fortschritte bei Ertrag, Stickstoffeinsatz, Dieselverbrauch und Bodenschonung erreicht worden – lange bevor Klimaschutzprogramme formell beschlossen wurden.
Den Schlüssel für die Zukunft sieht Kynast in der Züchtung: „Ohne Züchtung würden wir hier nicht sitzen.“ Innovationen würden Überfahrten und Pflanzenschutzeinsatz reduzieren und damit CO₂ einsparen. Sein Appell an die Politik: „Lasst die Züchter das machen, was sie können.“ Dabei sollten auch moderne Züchtungsmethoden konsequent genutzt werden.
International gelte: „Es kann nur gelingen, wenn alle mitmachen“, betont Helmke. „Norddeutschland ist ein Gunststandort – nachhaltiger Rübenanbau hat hier Zukunft, wenn die Rahmenbedingungen stimmen“, sind sich Kynast und Helmke einig.
Mehr dazu in der aktuellen Podcast-Folge auf Spotify hören: Vor der Ernte ist nach der Ernte – Erwartungen und Hoffnungen der Zuckerrübenanbauer für Kampagne 2026/27 – Der Landvolk-Podcast . (LPD 19/2026)

